Meine Philosophie

Was ist der Mensch?

Max Scheler (dt. Philosoph, Anthropologe & Soziologe, gest. 1928) sieht den Menschen als sich transzendierendes, sich überschreitendes Wesen. Es hat keine feste Position zwischen Natur (Immanenz) und Geist (Transzendenz). Es ist nur ein Zwischen, ein Übergang, ein Brückenschlag, ein ewiges Hinaus über sich selbst.

Das Kennzeichnen des Menschen ist, dass er über geistige Fähigkeiten verfügt. Diese sind Bedingung dafür, dass er sich von der Außenwelt distanzieren kann. Der Mensch entwickelt durch die Erfahrung Weltbewusstsein und in der Reflexion Selbstbewusstsein.

Der Mensch ist ein Sonderwesen, das eine zweite Natur, die Kultur schafft.

Was heißt Kultur?

Kultur ist die Pflege des Geistes im Irdischen, im Materiellen. Ursprünglich stand Kultur mit Kultus zusammen. Weitere Bedeutungsaspekte sind Anbau, Gesittung, und in tieferer Bedeutung heißt es hegen und pflegen, bebauen, ausbilden, tätig verehren.

Die Kultur hat ihren Ursprung in der Bearbeitung und Pflege des Bodens.

„Suchst du das Höchste, das Größte? Die Pflanze kann es dich lehren. Was sie willenlos ist, sei du es wollend – das ists.“ (Friedrich Schiller)

Was ist es, was uns die Pflanze lehren kann?

Pflanzen sind Bilder auserwählter Gesten der Natur, die unsere Seele erheben. Die farbige und duftende Pflanzendecke unserer Umgebung erschafft sich und wieder vergeht fortwährend. Wir hängen in unserer Existenz von ihr ab. Wir ernähren uns von ihr nicht nur leiblich sondern auch seelisch.

Die Botschaft einer Blume ist seelische Ausstrahlung. „Die Blumen helfen uns unserer Harmonie mit dem Leben bewusst zu werden“, macht K. O. Schmidt (Schriftsteller, Lebensberater, gest. 1977) aufmerksam. „Sie tragen in sich die unendliche Macht des Guten.“

Blumenbetrachtungen als Wege zur Philosophie

„Und es kam der Tag, da das Risiko, in der Knospe zu verharren, schmerzlicher wurde als das Risiko, zu blühen.“ (Anais Nin)

Für das Emporstreben einer Pflanze gilt Goethes Aussage: „Diese ist anzusehen, wie ein geistiger Stab.“  Was in der Metamorphose der Pflanze für den Beobachter in äußeren Bildern sichtbar wird, wird es vergleichbar im Innern mit der Entwicklung der Seelenkräfte. Die richtige Pflege dieser Kräfte in jeder Altersstufe bedeutet für die Art, wie man leben kann, außerordentlich viel.

Das Vertrauen, das Urvertrauen als goldene Substanz, als aktive moralische Qualität, ist in verschiedenen Lebensstufen eingebettet. Als elementare Kraft verwandelt es sich in die Selbstsicherheit. Es ist das Vertrauen, das das Zusammenleben der Menschen ermöglicht.

Damit sind wir auf dem Weg der Philosophie, der Erkenntnis des inneren Seelenlebens, der Selbsterkenntnis und der Hinwendung der Weltinhalten.

Wozu brauchen wir Philosophie?

Brauchen wir Philosophie überhaupt heute noch? Im Zeitalter der technischen Zivilisation? Bei schnell voranstürmendem Hightech – Fortschritt stagniert der Mensch innerlich. Für ihn ist Philosophie unproduktiv, ihre zu langsam entstehenden Antworten unbrauchbar.

Unproduktiv? Zu langsam? Unbrauchbar? Philosophie ist ein liebevolles Geduldsspiel. Sie ist die Gelegenheit, Geduld zu lernen und der Fähigkeit zu warten oder etwas zu ertragen, inneren Raum zu geben. In Entfaltung der philosophischen Art des Denkens wird die Geduld mit der Hoffnung eng verbunden sein.

Philosophie – der Aufruf zum Sapere Aude! „Wage es, weise zu sein!“, ergänzte Kant (dt. Philosoph gest. 1804) diesen von Horaz stammenden Aufruf mit dem bis heute aktuellen Inhalt: „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“  Warum? Wer selbständig versucht,  die offenen Fragen seines Lebens zu beantworten, befindet sich auf dem Weg der Selbsterkenntnis und der Selbstständigkeit. Es sind Fragen wie die über den Sinn des Lebens, die Wahrheit, das Gute, die Liebe, den Tod, die besser organisierte Gesellschaft.

Philosophie gibt Orientierung. Mit Mut zum Denken und mit Mut zur Weisheit kultivieren wir solche Aktivitäten, die unserem Leben eine positive, halt-  und sinngebende Richtung zeigen.

Wir sollten die Philosophie in unser Leben einbringen.

Die Dinge sind nicht immer so, wie sie scheinen. Jeder von uns kennt zum Beispiel optische Täuschungen: Der gerade Stab sieht im mit Wasser halbgefüllten Glas geknickt aus.

Philosophie prüft die Argumente, Meinungen. Sie erklärt aus verschiedenen Perspektiven eine Erscheinung und klärt grundsätzliche Fragen. Philosophie führt bis zum Ursprung einer Frage durch geschichtliche Dimensionen.

(Falsche) Glaubensätze über Philosophie

Philosophie ist eine Luxusangelegenheit. Philosophie braucht keiner. Philosophieren heißt die Zeit mit überflüssigem Quatsch zu vergeuden. Philosophie ist Haarspalterei, ein nutzloses Gedankenspiel. Die Philosophen reden im Elfenbeinturm um den heißen Brei herum. Nie geben sie klare Antworten.

Wir sollten nicht in engen Schubladen denken

Philosophie ist Kultur der Nachdenklichkeit, des Hinterfragens, des Bezweifelns; Kultur der Suche nach den Antworten.  Philosophie macht Freude wenn wir einen neuen Denker entdecken; wenn wir seinen Gedankengeflechten folgen; wenn wir uns erstaunt für diese öffnen. An diesem Punkt entsteht eine neue Einstellung des Menschen zu sich selbst und zu seiner Welt.

Wie ist die Philosophie entstanden?

Das griechische Wort philos heißt Freund, philia Liebe und sophia bedeutet Weisheit. Philosophie ist Liebe zur Weisheit, zur Wahrheit oder anders ausgedrückt: Der Philosoph ist der die Weisheit liebende und sie suchende Mensch.

Mit der Antike beginnt die europäische philosophische Kultur. „Jeder Mensch schreitet in seiner Biographie durch eine griechische Periode.“ So sagt R. W. Emerson (US-amerikanischer Philosoph und Schriftsteller, gest. 1882) und meint damit, dass sich jede Generation ihr Bild von Hellas aufs Neue gestalten müsse, weil dies der inneren Natur unserer Entwicklung selbst entspricht. Das Bild des Menschen wurzelt im Genius von Hellas.

Der Anfang der europäischen Philosophie führt uns nach Ionien. Sie entfaltete sich zuerst in ionischem Kleinasien, (Milet Ephesos), dann in großgriechischen Kolonien, (Elea Kroton) und schließlich in Attika. Athen war mit Sokrates, Platon und Aristoteles das Zentrum der philosophischen Kultur der Antike, die dort ihren Höhepunkt fand.

Staunen als altgriechisches Seelenphänomen

Das Grunderlebnis der ersten Philosophen war das Erstaunen. Nach PlatonEs gibt keinen anderen Anfang der Philosophie“ (Theaitetos, 155). Aristoteles schreibt in seinem Werk Metaphysik (982): “Verwunderung veranlasste zuerst wie noch jetzt die Menschen zum Philosophieren.“

Es ist der Anfang der Philosophie und nicht schon das Philosophieren selbst. Das Staunen (gr. thaumazein) als ein Impuls der Suche nach Wahrheit und Weisheit war ein Grundgefühl der aufmerksamen Anerkennung und Bewunderung, auf dem sich die gesamte Kultur der Griechen begründete.

Das Staunen des Freundes der Weisheit war ein Ausdruck des Gefühlslebens. Es entstand in der Seele, die schön und harmonisch war, stärkte den Verstand, der das Wahre erkannte und führte den Willen, der das Gute tun sollte.

Einige große Philosophen

 „Philosoph ist jeder, der eine wirkliche Frage stellen kann.“ (Gadamer)

Die ersten Denker der Antike waren die Naturphilosophen. Zu ihnen gehörte auch Heraklit. Mit seinem Gedanken der Einheit der Gegensätze gilt Heraklit als erster dialektischer Denker. Sein Grundgedanke lautet: Dem Werden und Vergehen sind alle Dinge unterworfen. Bekannt ist: “Man kann nicht zweimal in den gleichen Fluss steigen“. Denn „Alles fließt und nichts bleibt.“

Nichts ist vorstellbar ohne seinen Gegensatz: Leben und Tod, Wachen und Schlafen, Tag und Nacht.

Sokrates von Athen vertrat die Überzeugung, wer schlecht handelt, fügt damit sich selbst Schaden zu. Die unrechte Tat zerstört die Eudämonie, den in sich ruhenden Frieden der Seele. Sokrates Aufgabe war moralische Besserung der Menschen. Der Tod machte ihn zum Märtyrer der Philosophie. In seiner Nachfolge stehen die Kyniker. Für diese, wie für Sokrates, kommt es darauf an, was der Mensch ist und nicht was der Mensch hat.

Diogenes war ein Kyniker. Sein Beiname war kyon, Hund -, weil er wie ein Hund bzw. wie ein Schwein in der Öffentlichkeit aufgetreten sein sollte,  und er lebte in einer Tonne. Bedürfnislosigkeit und Geringschätzung des Materiellen bestimmte er als Lebensziel.

Platon errichtete ein philosophisches System mit einem großen Gedankengebäude. Das Grundelement ist die Ideenlehre.  Die Ideen sind immaterielle, ewige und unveränderliche Wesenheiten, die Urbilder der Realität, nach denen die Gegenstände der sichtbaren Welt geformt sind.

Aristoteles war zwanzig Jahre lang ein Schüler Platons. Nach dem Tode seines Lehrers verließ er Athen und er wurde zum Lehrer Alexanders der Große berufen. Von Aristoteles sind Schriften erhalten, aus denen sich das Corpus Aristotelicum zusammensetzt. Dieses Werk umfasst Organon (Logik), Naturwissenschaftliche Werke (Physik, Die Seele, Bau der Tiere, Astronomie) Metaphysik (gr. meta ta physika: was hinter der Natur liegt), Ethik (Nikomachische Ethik, Magna Moralia, Politik, Staat der Athener), Poetik (Rhetorik, Poetik).

Die Beschreibung der Freundschaft im Werk Nikomachische Ethik ist ein schönes, wenn nicht bis heute das schönste Beispiel der Gegenseitigkeit der Menschen: „Denn ohne Freunde möchte niemand leben. […] Menschen von gleicher Art sind Freunde. […] Die Freunde müssen Wohlwollen füreinander empfinden und sich das Gute wünschen. […] Der Wunsch nach Freundschaft entsteht rasch, die Freundschaft aber nicht“. (Aristoteles: Nikomachische Ethik, VIII 1-5, Berlin 1991 S. 170)

Epikur und seine Anhänger versammelten sich zumeist in einem Garten. Es heißt, diesen habe der Philosoph selber angelegt und gepflegt. „Wer noch jung ist, der soll sich der Philosophie befleißigen und wer alt ist, soll nicht müde werden,  zu philosophieren. Denn niemand kann genug früh anfangen für seine Seelengesundheit zu sorgen und für niemanden ist die Zeit dazu zu spät.“ – lesen wir in einem Brief von Epikur.

Boethius war ein Neoplatoniker. Man nennt ihn „den letzten Römer und den ersten Scholastiker“. Er wurde zu Unrecht eingekerkert. Im Gefängnis schrieb er den „Trost der Philosophie“, einen Dialog mit der Ärztin Philosophie, die zunächst sein eigentliches Problem diagnostiziert: „Du hast aufgehört zu wissen, was du bist“. Im philosophischen Gespräch führt sie ihn zur Selbsterkenntnis und damit zur Einsicht, das eigene Schicksal anzunehmen.

Aurelius Augustinus schrieb eine der ersten Selbstbiografien der Weltliteratur.  Im Werk „Bekenntnisse“ schildert er die ruhelose, von innerer Zerrissenheit geprägte Jugend und den neuen Weg der Selbsterkenntnis, der für Augustinus seine Hinwendung zu Gott ist.

Francis Bacon war  ein Philosoph an der Wende zur Neuzeit. Zentrale Botschaft seiner Lehre ist: Wissen ist Macht! Das Ziel der Wissenschaft die Beherrschung der Natur zum Nutzen der Gesellschaft. Um zu einer wahren Erkenntnis der Natur zu gelangen, muss der Mensch sich von allen Vorurteilen befreien.

Nach Descartes ist das Selbstbewusstsein des Subjekts das Fundament der Philosophie. Descartes suchte nach dem absoluten Fundament der Erkenntnis. Auf ihm könnte das System der Philosophie neu errichtet werden. Man solle die bestehenden Meinungen überdenken, überprüfen. Die Erkenntnisfähigkeiten täuschen – die Meinungen können falsch sein, weil vielleicht ein böser Geist betrügerisch eine irreführende Vernunft mitgab. Gibt es überhaupt etwas, dass dem methodischen Zweifel standhält? Ja, dass ich als Denker existiere. Daran kann ich unmöglich zweifeln, denn falls ich nicht existiere, könnte ich an gar nichts zweifeln. Ich denke, also bin ich (Cogito ergo sum).

Immanuel Kant stellte sein philosophisches System mit vier Fragen dar: Was kann ich wissen? (Metaphysik) Was soll ich tun? (Ethik), Was darf ich hoffen? (Religion) Was ist der Mensch? „Ehrfurcht vor zwei Dingen: dem gestirnten Himmel über und dem moralischen Gesetz in mir“, so die Inschrift auf Kants Grabmal. Ein wichtiger Gedanke des Philosophen aus Königsberg.

Friedrich Hegel ist einer der großen Systemdenker. Die Dialektik ist bei ihm eine Gesetzmäßigkeit, die der Natur des Denkens und der Wirklichkeit zugrunde liegt. Die Trias dieser Methode heißt, dass jede These schon ihre Antithese mit sich bringt und beide in der Synthese aufgehoben werden.

Arthur Schopenhauer nannte sich selbst den heimlichen Kaiser der Philosophie. Er war ein die Menschen verachtender und pessimistischer Denker. Alles Leben ist Leiden. Der Wille, das innerste Wesen des Menschen strebt nach Befriedigung und Vollendung. Beides bleibt in der Welt versagt. Verneinung des Willens wird die Überwindung des Leidens.

Friedrich Nietzsche war ein großer Dichter und Denker, der mit seinem radikalen Erneuerungswillen um die Umwertung aller bestehenden Werte kämpfte. Er nannte die Moral des Christentums „Sklavenmoral“, die den Schwachen privilegiert und den Starken unterdrückt. Im schwachen Menschen manifestiere sich ein schwach gewordener Wille zur Macht, die Moral ist ein Mittel des Kampfes der Schwachen gegen die Starken.

Karl Jaspers bestimmt die Philosophie in Abgrenzung zu Wissenschaft, Kunst und Religion. Wissenschaft untersucht die Objekte – Philosophie interessiert sich für Grenzsituationen wie Kampf, Schuld, Krankheit, Tod, durch die der einzelne Mensch sich als einmaliges, selbständiges Individuum erfährt.

Jean Paul Sartre manifestierte: Der Mensch ist zur Freiheit verurteilt. Er ist, wenn er sich verwirklicht. Die Existenz geht der Essenz voraus. Der Mensch existiert, begegnet zuerst und definiert sich danach  und  trägt Verantwortung für sich.

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