Die Heilige Elisabeth von Thüringen

„Den Auserwählten dient am besten, wer ihren frommen Wandel in seinem privaten Leben am vollkommensten nachzuahmen versteht.“ (Stephan Zweig)

Die Lilie und die Rose

In der Adventszeit begegnen wir oft zwei Blumen, die wir eigentlich im Sommer verorten.

Eine davon ist die Lilie. Die reine weiße Lilie ist die Blume des Anfangs. Ihre Blüte hat die Form des Sechssterns und dieser wiederum ist der Stern der Verkündigung, das Symbol der paradiesischen Himmelsunschuld.

Die andere Blume ist die Rose. Die Rose ist ein Bild für die Christusliebe, für die alles Gute in sich begreifende Liebe, für die reinen Liebeskräfte. Man kann die Rose nicht einfach so finden, man kann sie nicht einfach so brechen. Sie gedeiht nur, wenn man sich um sie bemüht.

Die Rose ist kräftig in der Erde verwurzelt. Sie steht unter einer erkennbaren Form – die Fünfheit, der Fünfstern. Der Fünfstern ist der Stern der Erfüllung. Die Erfüllung bedeutet: auf dem Wege zu sein, eine Verwandlung, das Üben lernen. Der Fünfstern ist überall durch Gestaltverwandlung an der Rose erkennbar: an den Blättern und Blattstellungen, am Stiel und in der Blüte.

Seit uralter Zeit hat die Rose dem übenden Menschen eine besondere Bedeutung.

Im Zeichen der Kraft der Christusliebe der Rose haben auch in den alten Zeiten viele Menschen ihr Leben geführt, verwandelt und erfüllt. Die Auserwählten unter ihnen wurden heiliggesprochen. Zu ihnen gehört auch Elisabeth von Thüringen.

Ein Stern geht auf in Thüringen

Der Legende nach im Jahr 1207 verweilte der Zauberer Klingsor im Schloss Wartburg in Thüringen. Er verkündete: „Ich sehe einen Stern aufgehen in Ungarn, dessen Licht bis Marburg leuchtet. Heute wird meinem König Andreas eine Tochter geboren. Sie wird den Sohn eures Landgrafen heiraten und eine Heilige werden.“

Elisabeth war vier Jahre alt, da brachte man sie in einer silbernen Wiege nach Wartburg um sie gemeinsam mit dem künftigen Gemahl Ludwig zu erziehen.

Elisabeth war ein frohes und liebenswertes Mädchen. Als sie sieben Jahre alt war, starb ihre Mutter. Aber hin und wieder erschien sie dem Kind in seinen Träumen oder wenn es in stillen Gebeten verweilte. Nicht lange danach starb auch der Graf von der Wartburg, der Vater Ludwigs. Nun waren die Kinder der strengen Mutter, der Landgräfin Sophie, unterstellt. Diese sah es ungern, wenn Elisabeth zu allen Menschen des Schlosses lieb und freundlich war.

Bevor sie zum Gottesdienst gingen, legte die Landgräfin dem Mädchen jedes Mal eine Goldkette um den Hals und setze ihr eine Krone mit Edelsteinen auf das Haupt. Sobald Elisabeth aber die Kirche betrat, zog sie ihre Handschuhe aus und legte Goldkette und Krone in ihre Handtasche. Während des Gottesdienstes kniete Elisabeth neben dem Samtkissen auf den bloßen Boden. Wenn sie gefragt wurde, warum sie den schönen Schmuck ablegte, antwortet sie: „Vor Christus sind alle Menschen gleich.

Zur Hochzeit von Elisabeth und Ludwig wurden drei Tage lang Festlichkeiten veranstaltet. Aus Liebe zu seiner Gemahlin ließ Ludwig einen Garten mit schönen Rosen anpflanzen. Oft ritt das Paar gemeinsam über das Land, um das Leben ihrer Landsleute kennenzulernen. Und wo Elisabeth Not und Sorge antraf, spendete sie Hilfe. Schenken und Helfenwaren ihre größte Freude.

Heilkunst und Heilkräuter

Von einem Arzt erfuhr Elisabeth vieles über die Heilkunst. Sie lernte Wunden zu behandeln,  Fieberkrankheiten zu lindern und sammelte Heilkräuter.

Aus dieser Zeit stammt auch die Legende des Rosenwunders  

Es begab sich, dass Elisabeth mit einem Tuch überdeckten Korb von der Burg herab ins Dorf ging. Als es Ludwig sah, fragte er sie:

„Was hast du in deinem Korb?“

Rosen, Herr!“, antwortete sie mit demütigem Blick.

Ungläubig schaute Ludwig in den Korb und fand statt der eben eingepackten Brote unter dem Tuch lauter frisch duftende Rosen. Die eingepackten Brote haben sich in Rosen gewandelt.

Elisabeth war tief betroffen, als sie irgendwann darauf erfuhr, dass ihr Gatte den Kaiser auf seinem Kreuzweg ins Heilige Land begleiten wollte. Sie ahnte, dass sie ihn nicht mehr sehen würde. Und tatsächlich: Ludwig starb im fernen Land an einem heftigen Fieber. Nach seinem Tod verließ Elisabeth die Wartburg. Sie gründete in Marburg das Franziskus Hospital und arbeitete dort selbst als Pflegerin.

Immer unermüdlicher wurde ihre Sorge um die Kranken und Hilflosen. Ihnen gab Elisabeth all ihre Kraft und Gesundheit. Völlig geschwächt starb sie jung  mit gerade einmal 24 Jahren am 17. November 1231.

Nach ihrem Tod huldigten ihr besonders ihre Verwandten und Hofbeamte, die zu ihren Lebzeiten heftigsten Gegner waren. Elisabeth wurde bald nach ihrem Tod heiliggesprochen.

Ihr Gedenktag und ihr Namenstag  werden am Tag ihrer Beisetzung dem 19. November gefeiert.