Der Weg zum Osterfest

Palmsonntag – Einzug in Jerusalem

Als Christus seine Mission erfüllt und die Leiden der Menschen miterlebt und mitgetragen hatte, empfingen ihn die Einwohner Jerusalems, der heiligen Stadt. Es geschah am Palmsonntag, am ersten Tag der Karwoche.

Wir sehen ihn auf einem Esel durch das Tor der Stadt reiten, gefolgt von seinen Getreuen. Viele aus der Menge breiten ihre Kleider aus auf dem Weg. Andere schlagen Palmenblätter und Zweige von den Bäumen herunter und streuen sie auf den Weg.

Palme – Symbol des Lebens

Die Palme wurde immer als ein Symbol des Lebens, der Sonne erlebt. Mit diesem Sonnensymbol schmückten die Menschen dem Heiland den Weg. Jubelnd begrüßten sie ihn und riefen: „Hosianna! Gesegnet sei, der da kommt im Namen des Herrn. Er ist der König von Israel.“ (Joh. 12, 13)

Die Palme ist ein unverzweigter Baum. Ihre hohe Stammsäule trägt die immer grüne Blätterkrone, wirkt wie ein Abbild der Himmelsrundung. Die Blätter sind kammartig gefiedert mit stark gebogener Mittelrippe. Wenn der Wind durch die mächtigen und starren Wedel weht, hört man ein fast metallisches Rasseln.

Die Palme ist mit den Erdenkräften stark verbunden. Sie braucht für ihre Wurzeln festen Boden und zu ihrer vollen Entfaltung Wärmekräfte. Am Palmsonntag merkten die Menschen, dass der, der auf dem Eselfüllen reitet, nicht nur ein Mensch ist. Sie nahmen die Sonnennatur, den Sonnenglanz, das göttliche Wesen, die Gotteskraft  Christi wahr.

Mit den Palmenwedeln drückte das Volk seine Freude, den Frieden aus. In dieser Freude und Huldigung lag die Vorahnung dessen, was den Menschen durch Christus wiedergeben werden würde.

Christus trug etwas nach Jerusalem hinein. Einen Feuersamen, der die Welt von Grund auf verwandeln würde. Er selbst betrachtete sich als den Bringer der Freude, aber am Ostersonntag sagte er: „Die Menschen können sich noch nicht freuen!“

Die Osterbotschaft von der Auferstehung ist eine Aufforderung zur Freude. Diese Freude wächst an dem Ort des Leidens, Klagens und Traurigkeit.

Karmontag – der Weg vom Alten zum Neuen

In der Karwoche legte Jesus mit den Jüngern jeden Tag denselben Weg zurück.

Jeden Morgen ging er von Bethanien nach Jerusalem und kehrte am Abend wieder dorthin zurück. Er ging auf diesem Weg an einer Stätte, einer kleinen Siedlung, vorbei, die Bethphage hieß. Der Name bedeutet: „Das Haus der Feigen“.

Die Siedlung Bethphage

Die Stätte Bethphage war von einem Hain von Feigenbäumen umgeben. Für die Einwohner galt der Feigenbaum als heilig und von großer Bedeutung. Die Menschen dieses Dorfes pflegten das Sitzen unter dem Feigenbaum. Während des Sitzens hatten sie besondere, wegweisende Erlebnisse. Führende Persönlichkeiten suchten die Feigenbäume auf, um sich bei ihnen Weisheit und Rat zu hohlen. Im Feigenbaum fand man die heute verloren gegangenen hellseherischen Kräfte.

Wie sieht ein Feigenbaum aus?

Der Stamm ist kräftig, die Zweige sind weit ausladend und eigenartig gebogen. Unter der Blattkrone kann man sich recht geborgen fühlen, ja fast wie von der Außenwelt abgeschnitten. Die Blätter sind groß, mehr oder weniger tief, hand- oder fingerförmig gelappt und rau. Sie werden zu Beginn des Winters abgeworfen und treiben im Frühjahr aus.

In seinen krautartigen Teilen hat der Feigenbaum einen merkwürdigen Geruch. Feigenbäume sind von Milchsaft durchströmt, was die Zugehörigkeit zu einer sehr alten Pflanzenart bezeugt.

Die Besonderheit dieses Baumes kommt in den Früchten am deutlichsten zum Ausdruck: Seine Früchte sind in Wirklichkeit Blütenstände. Das Essbare ist der fleischige, krugförmige Blütenboden, der die eigentliche Blüte überwölbt. So sind die Blüten nach außen gar nicht zu sehen. Der Feigenbaum blüht nach innen, als wolle er sich in sich selbst zurückwenden.

Damit er fruchten kann, braucht er die Hilfe einer kleinen Wespe. Sie legt ihre Eier in das Blütengehäuse ab und bestäubt wandernd die Blütenstände. Isst man getrocknete Feigen , knacken die oftmals noch darin stecknadelkopfgroßen Kerne zwischen den Zähnen. Das sind die eigentlichen Früchte des Feigenbaumes.

Das Gleichnis vom Feigenbaum

Matthäusevangelium 21, 18 – 20: Als er [Christus] am Morgen wieder zur Stadt zurückkehrte, fühlte er Hunger. Und siehe, ein einzelner Feigenbaum stand am Wege. Er trat auf ihn zu, fand aber nichts als Blätter an ihm. Da sprach er: Nie mehr sollen an dir Früchte reifen, für alle Zeiten. Und auf der Stelle verdorrte der Feigenbaum.

Durch das Wort, das Christus zum Feigenbaum spricht, erteilt er der Welt des alten Denkens eine Absage. Das alte Denken, das alte Schauen muss verdorren! Christus will nicht an den alten Kräften anknüpfen. Das neue Denken keimt als Glaube im Herzen des Menschen. Christus will zeigen, die Lebensgeste des Feigenbaumes wird künftig keine Früchte mehr bringen. Die Zeit der Zurückwendung zum Alten ist vorbei.

Die Überwindung des Feigenbaumes deutet auf eine Wende hin, die durch die Tat Christi auf Golgatha geschehen ist.

Karfreitag – Die Zeder zu Ostern

Einer der Haupttage der Karwoche ist der Karfreitag. An diesem Tag geschahen die Verurteilung, Kreuztragung, Kreuzigung und die Grablegung von Christus. Im Zusammenhang mit diesen Ereignissen möchte ich von einem besonderen Baum schreiben, aus dem das Kreuz gemacht wurde. Dieser Baum war die Zeder.

Die Zeder

Die Zeder wächst ursprünglich in Libanon. In alten Zeiten war dieses Land mit Zedernwäldern bedeckt. Der Baum hat große Widerstandsfähigkeit und war immer ein Symbol der Stärke, von Adel und Würde. Man sah in der Zeder auch den König der Bäume.

Die Zeder ist ein sehr hoch wachsender und immer grüner Baum. Seine Äste wachsen fast waagerecht und sie sind mit bläulich-grünen Nadeln bedeckt. Ganz anders als die Lärche, die alljährlich ihr Laub abwirft und ihre Zapfen in einem Jahr reifen lässt,  widersetzt sich die Zeder dem irdischen Wachstumsrhythmus. Ihre Nadeln fallen am Ende des Jahres nicht ab. Die Zapfen reifen auch nicht in einem Jahr, sondern brauchen zum Reifen drei Jahre. So lange, wie Christus nach der Jordantaufe wandelte unter den Menschen, um seine Mission zu erfüllen.

Wie die Zeder entstand, erzählt uns die Legende: Nach der Vertreibung aus dem Paradies durfte Seth, der dritte Sohn von Adam und Eva, noch einmal das Paradies betreten. Seth erkannte dort den Lebensbaum. Der Baum schenkte ihm einen seiner Samen und Seth legte ihn Adam in den Sarg. Auf dem Grab Adams erwuchs daraus ein Zederbaum. Der Legende nach wurde aus dieser Zeder auch das Kreuz Christi gemacht.

Von diesem Kreuz des Todes geht das neue Leben aus. Denn das Kreuz ist nicht nur das Zeichen des Opfertodes, sondern auch das Zeichen des Auferstandenen.

Albert Steffen: Wegzehrung

Lasst uns die Bäume lieben,

Die Bäume sind uns gut,

In ihren grünen Trieben

Strömt Gottes Lebensblut

Einst wollt das Holz verhärten,

Da hing sich Christ daran,

dass wir uns neu ernährten,

ein ewiges Blühen begann.

Literatur:

Bock, Emil: Der Kreis der Jahresfeste. 1982 Frankfurt a. M.

Simonis, W. Christian: Heilpflanzen und Mysterienpflanzen. 2001 Berlin